Leben - Blog


Hoch über München

 

Herr M war mal wieder in München. Nicht aus Spaß an der Freude, sondern weil dort Messe war. Auf der trifft sich die Branche alle zwei Jahre, bespricht fürchterlich wichtige Dinge und feiert sich auch so ein bisschen selbst. Da die Firma, für die Herr M arbeitet seine Anwesenheit irgendwie für unabdingbar hielt, hat sie ihm nicht nur Flugtickets, sondern auch gleich ein Zimmer im gleichen Hotel wie vor zwei Jahren gebucht. Damals noch im fünfzehnten Stock, und heuer dann im einundzwanzigsten. Muss nun wirklich nicht sein, für jemanden, der Frau M schon die Leiter hochschickt, wenn es mehr als drei Meter in die Höhe geht. Herr M könnte jetzt ja auch einfach die Balkontür geschlossen lassen, die Vorhänge zu ziehen und versuchen, die Welt da draußen zu vergessen. Man kann sich aber auch überwinden, rausgehen und ein kleines Panorama vom Ausblick machen. Der ist zugegebenermaßen nicht besonders hübsch, aber immerhin hat sich Herr M getraut.  

 

Spieglein, Spieglein in der Stadt

 

 

Anfang Oktober war Herr M mit der Olympus Fotogruppe in Buxtehude unterwegs. Wir hatten uns als Aufgabe das Thema "Spiegelungen" gestellt. Treffen um 18 Uhr, gemeinsames Loslaufen und falls einer verloren geht, erneutes Treffen um 20 Uhr am Startpunkt. Jetzt mal ehrlich - wer soll da schon verloren gehen bei einer überschaubaren kleinen Gruppe von 8 Personen? Nach nicht mal einer Viertelstunde war ich dann alleine am Hafen unterwegs. Huch.... da hatte mich das zu erarbeitende Motiv so stark in seinen Bann gezogen, dass ich die Aktivitäten der anderen um mich rum, komplett ausgeblendet hatte. So soll Hobby und Entspannung sein. Herrlich! In den nächsten eineinhalb Stunden traf man dann immer mal wieder jemanden aus der Gruppe, fachsimpelte kurz, versuchte sich vielleicht auch am gleichen Motiv und versank dann wieder in seinen eigenen Gedanken und fotografierte alleine vor sich hin. Um 20 Uhr versammelten sich auch wieder alle am Platz vor der Petri Kirche, und es wurde noch das Erlebte besprochen, der ein oder andere Rat eingeholt und beschlossen, beim Treffen im November eine kleine Bildbesprechung durchzuführen, bei der jeder Teilnehmer maximal 4 Fotos mitbringen durfte. Sich einzuschränken und zu limitieren, loszulassen und eine Auswahl treffen zu müssen hat dann doch einige Mühe und Überlegungen gekostet. Hier auf dem Block soll es sogar nur ein Foto sein. Das auszuwählen wiederum fällt mir leicht.

Gutes aus der Pfalz

 

Ach ja, was sollen wir da viel schreiben? Es war mal wieder Wurstmarkt. Wir waren da. Unsere Freunde waren da. Und auch sonst noch viele andere Menschen, die „das Größte Weinfest der Welt“ gefeiert haben. Das Wetter hat mal wieder mitgespielt, so wie die letzten Jahre auch. Und so ist es uns schwer gefallen uns zu erinnern, wann wir das letzte Mal bei 4 Grad im Regen zitternd zwischen den Schubkärchern standen. So richtig wussten wir es nicht, fanden es auch nicht schlimm und machten uns wieder Gedanken darum, ob man sich hätte eincremen müssen, um keinen Sonnenbrand zu bekommen.

 

Und sonst? Der Wein war super. Die Fahrgeschäfte bunt und laut. Das Essen an den richtigen Ständen lecker. Und die vielen tollen Gespräche sehr inspirierend. Kurzum: es war alles so, wie wir uns das gewünscht haben. Und jetzt? Jetzt fiebern wir schon dem nächsten Jahr entgegen und würden uns sehr darüber freuen, wenn wir wieder die Frage des richtigen Lichtschutzfaktors diskutieren könnten.

 

 

Fast wie Urlaub nach dem Urlaub

Jetzt ist der Sommerurlaub auch schon wieder ein paar Tage vorbei. Wir hatten eine wunderbare Zeit, sind mit dem Reisemobil durch Südschweden gefahren, haben das wunderbare Wetter, das tolle Land, sowie die vielfältigen Möglichkeiten sich in der Natur zu bewegen sehr genossen. Dieses Jahr waren die Küsten auf Grund der im ganzen Land vorherrschenden Temperaturen besonders bevölkert. Die von uns angesteuerten Campingplätze waren durch die Bank überdurchschnittlich gut besucht. Zum Glück hatten wir entgegen unserer sonstigen Gewohnheit vorgebucht. Das wäre sonst speziell an der Westküste voll ins Auge gegangen.

 

Jetzt haben wir bereits wieder die ersten Wochen Arbeitswahnsinn sowie den Schulanfang hinter uns. Das Wetter hat zum Glück etwas abgekühlt und wir genießen die knapp über 20 Grad in unserem Garten. Alle zwei Wochen mal ein kräftiger Regen mit wunderschönem doppelten Regenbogen hilft auch den Pflanzen, sich nach der Hitze und Trockenheit zu erholen und möglichst lange grün zu bleiben. Hoffentlich bleibt das so noch eine Weile. Das ist dann fast, wie der Urlaub nach dem Urlaub.

 

 

Einmal erden, bitte.

 

Da regt sich die Nachbarin darüber auf, wie man geparkt hat. Die Lehrerin gibt der Tochter nur eine 2 für eine fantastische Zeichnung im Kunstunterricht. Der Idiot von schräg gegenüber flext noch an seinem Auto rum, obwohl schon seit 15 Minuten Mittagspause in der Siedlung ist. Der Chef glänzt mal wieder mit Inkompetenz, die Kollegen machen ihren Job nicht ordentlich und der Handwerker, der den Pfusch von der letzten Badsanierung in Ordnung bringen soll, meldet sich seit Wochen nicht mehr. Und der einzig wahre Ort für den langersehnten bevorstehenden Sommerfamilienurlaub ist ausgebucht. Stress, Stress, Stress und überall nur rumgenöhle. Wenn all diese Unwegbarkeiten des Alltags für schlechte Laune und chronische Unzufriedenheit sorgen, hilft es, von Zeit zu Zeit die eigene Wahrnehmung zu resetten und auf ein normales Mass zurecht zu stutzen. Ich nenne das gerne "sich erden".

Das richtige Event dafür ist definitiv das Lumix Foto Festival in Hannover. Eine Veranstaltung bei der Nachwuchsfotografen, die in der Reportagefotografie zu Hause sind im Mittelpunkt stehen. Wobei weniger die Fotografinnen und Fotografen im Mittelpunkt stehen, obwohl sie es verdient haben, sondern ihre Reportagen. Es geht um skurrile und tragische Schicksale, wie die Dokumentation über Braunlage und deren verbliebene Einwohner, einer einst blühenden Ferienregion, die inzwischen in großen Teilen einer grotesken Reminiszenz an die siebziger Jahre gleicht. So absurd es klingt - das sind die heiteren Seiten der Ausstellung. Sehr viele Serien drehen sich um Krieg, Mord und Vertreibung. Um Umweltverschmutzung, Ausbeutung von Land und Leuten und die Zerstörung unserer Erde. Harter Stoff. Vor allem in der Masse. 

Wenn man dann nach ein paar Stunden wieder in sein Auto, die U-Bahn oder aufs Fahrrad steigt, ist man sich völlig bewusst, wie unbedeutend die eigenen Aufreger des Alltags sind. Und wenn Frau Nachbarin sich bei der Ankunft zu Hause mit größtmöglicher Empörung darüber beschwert, dass die Hecke unbedingt geschnitten werden muss, kann man sich ein mitleidiges Lächeln nicht verkneifen.